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 Ein Ausflug zu den Wolken

 

Der kleine Drache flog hoch in den Himmel. Dicke, flauschige Wolken zu beiden Seiten und den Sonnenuntergang vor ihm, flog er immer höher, bis er plötzlich ganz leise etwas wimmern hörte. Im ersten Moment dachte der kleine Drache, er hätte sich verhört. Doch je näher er dieser einen dicken Wolke kam, desto lauter wurde das Wimmern. „Hallo?“, fragte Rehmi zaghaft. Keine Antwort. Das Wimmern verstummte. Es war nichts mehr zu hören, nur der Wind, der durch die Wolken zog. Der kleine Drache wollte schon wieder umdrehen, als ein lauter Schluchzer die Stille zerriss. Rehmi flog direkt über die Wolke, von der das Schluchzen kam und setzte vorsichtig einen Fuß darauf. Er wusste nicht, ob man auf ihr  stehen konnte. Oder ob er einfach durch die Wolke hindurchfallen würde. Sie fühlte sich flauschig weich an. Auch wenn die Wolke nachgab, konnte Rehmi spüren, dass seine Füße sicher standen. Langsam ging er ein paar Schritte vorwärts. Wieder ertönte ein Schluchzen, gefolgt von leisem Wimmern. Rehmi schaute sich um. Er konnte niemanden sehen. Die Wolke war zwar groß, aber er konnte in jeder Richtung das Ende sehen. „Hallo? Ist hier jemand?“ „Na ich bin da“, sagte eine flüsternde Stimme direkt neben ihm. Rehmi erschrak. Woher kam die Stimme? Da war doch niemand. „Wo bist du?“, fragte der kleine Drache vorsichtig. „Ich sitze neben dir. Vorsichtig, sonst trittst du noch auf mich drauf“, erklärte die flüsternde Stimme. „Wo? Ich sehe dich nicht. Wer bist du?“ Rehmi dreht sich mehrmals um, konnte aber immer noch niemanden sehen. Die letzten Strahlen der Sonne verließen den Himmel und alles wurde dunkel. Rehmi erschrak erneut. Neben seinem Fuß fing plötzlich etwas Kleines an zu leuchten. Es war so hell. So hell wie ein … Stern! 

Der kleine Drache starrte den weinenden Stern neben seinem Fuß an. Ganz langsam beugte er sich zu ihm hinunter, streckte einen Finger aus und stupste den kleinen Stern an. „Aua!“, der Stern schaute Rehmi mit bösen Augen an. „Warum pickst du mich?“ „Ich? Oh, …em… `tschuldigung.“ Der kleine Drache wirkte ein bisschen verlegen. „Ich wollte nicht… ich habe… also gedacht… ich… ähh“, stotterte Rehmi. Er spielte an seinen Fingern und drehte seinen Fuß auf der Spitze. „Pass doch auf!“, schimpfte der Stern. „Na toll, jetzt versuchst du mich auch noch zu zerquetschen. Schlimmer kann es nicht mehr werden“, jaulte der kleine Stern, dem die Tränen nur so übers Gesicht kullerten.

Rehmi ging einen Schritt zur Seite. Auf keinen Fall wollte er den Stern verletzen. Er setzte sich auf die flauschige Wolke und fragte den Stern: „Warum kann es nicht mehr schlimmer werden?“ Der kleine Stern erklärte schluchzte: „Ich bin vom Himmel gefallen. Meine Mama hat mich immer gewarnt. Wenn ich nicht aufpasse, falle ich eines Tages vom Himmel. Und bumms… heute war der Tag.“ Wieder jaulte der kleine Stern auf: „Ich wollte doch nur ein bisschen näher dran sein, die Kriecher ein bisschen besser sehen.“ Der kleine Drache schaute den Stern verwundert an. „Was sind Kriecher?“ „Na die Dinger, die da unten sind“, erklärte der Stern und zeigt in Richtung Erde. Als er sah, dass der kleine Drache etwas verwundert drein schaute, fügte er hinzu, „ es gibt Kriecher und Flieger. Die Kriecher sind da unten auf dem bunten Himmel und die Flieger flattern zwischen den beiden Himmeln hin und her.“ Rehmi kratzte sich am Kopf. „Kriecher? Flieger? Bunter Himmel?“ Er beugte sich ein wenig vor, um über den Rand der Wolke sehen zu können. „Vorsicht!“, schrie der kleine Stern, „genau so bin ich auch gefallen.“  Rehmi schrak zurück und blickte stur geradeaus.

Nach einer Weile sagte er: „Ich heiße Rehmi und du?“ „Ivinanoi la Rimschein, aber meine Mama sagt immer Ivi zu mir.“ Ivi schaute traurig nach oben. „Meine Mama sucht sicher schon nach mir.“ Wieder fing der kleine Stern an zu weinen. „Kannst du denn nicht einfach wieder hochfliegen?“, fragte der kleine Drache. „Einfach wieder hochfliegen?“, schluchzte Ivi. „Sterne können nicht fliegen, wenn sie noch klein sind. Erst wenn wir Erwachsen sind, schweben wir nicht mehr nur, sondern können richtig fliegen. Aber ich bin doch erst Hundertdrei, das dauert also noch gute 400 Jahre bis ich soweit bin.“ „Wow, so alt können Sterne werden?“, staunte der kleine Drache. „Wir werden ein paar tausend Jahre alt, und wenn es Zeit wird für uns zu gehen“, erklärte Ivi weiter, „ erleuchten wir ein letztes Mal strahlend hell und verglühen dann.“ Rehmi schaute den Stern mit großen Augen an. Verglühen – das hörte sich seiner Meinung nach nicht gut an.

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